Adelholzener Alpenquellen

Dialektpreis für Markus Eisenbichler


Dialektpreis für Markus Eisenbichler,
Quelle: Traunsteiner Tagblatt

Teisendorf/Siegsdorf – »Der Dialekt is' des Mittel, mit dem s'Gmüat schnauft, sei Luft kriagt zum Leben«, übersetzte Laudator Gustl Lex ein Goethe-Zitat ins Bairische. Bereits zum zehnten Mal verlieh der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) den Dialektpreis für besondere Verdienste um die bairische Mundart. Bei einem Festakt in Neukirchen konnte der Siegsdorfer Skispringer Markus Eisenbichler den diesjährigen Preis in Empfang nehmen. Erstmals wurde die Auszeichnung von den Landschaftsverbänden Rupertiwinkel und Chiemgau-Inn gemeinsam vergeben.

 

»Den Preis bekommen Leute, die sich um Pflege und Erhalt der bairischen Mundart verdient machen«, betonte der Rupertiwinkel-Vorsitzende Heinz Schober und fügte hinzu, dass dies in der Vergangenheit prominente, aber auch weniger bekannte Persönlichkeiten waren. »Der Markus Eisenbichler gehört ja a scho' zu de hoibert Prominenten«, merkte Schober zur Erheiterung der Besucher an.

Der Geehrte war durchaus überrascht von der Nominierung: »I hab gar ned g'wusst, dass es so einen Preis gibt. Aber ich bin in Siegsdorf dahoam und meine Familie hat schon immer drauf g'schaut, dass i bairisch sprech.«

Gustl Lex, Chiemgau-Autor und Verfasser zahlreicher Mundartgedichte, setzte sich in seiner Laudatio zunächst mit grundsätzlichen Fragen zum Dialekt auseinander. Heutzutage werde vieles geschützt, so gebe es den Artenschutz, die Alpenschutzkonvention, den Denkmal- oder Klimaschutz. »Das ist alles notwendig und sehr wichtig, aber wo bleibt der Schutz für die Sprache als größtes Kulturgut der Menschheit? Wo bleibt der Schutz für unsere Sprache, unsern bairischen Dialekt«, fragte Lex. Dialekt sei weder plump noch »bildungsfern« sondern Ausgangspunkt und Grundlage für das Sprechenlernen, für das Lernen der Muttersprache. »Der Dialekt is' die Basis, die Wurzel vom gesprochenen Wort«, betonte Lex. Für ihn gehört der Dialekt zum Selbstverständnis und zur Identität einer Region.

Damit war auch der Bogen zum Sport und zu Preisträger Markus Eisenbichler gespannt: Sport wäre auch deshalb so beliebt, weil die Athleten und Mannschaften in erster Linie Aushängeschilder der Region und der eigenen Heimat seien. »Des gilt natürlich umso mehr, wenn der Sportler sei Herkunft net verleugnet und sprachlich authentisch bleibt, wia unser heuriger Dialektpreisträger Markus Eisenbichler«, hob Lex hervor.

Das bestätigte Eisenbichler: »Ich bin stolz auf meinen Dialekt, mit dem ich aufg'wachsn bin. Für mich ist es wichtig, dass man hört, wo ich herkomm. Ich red auch mit meinen Nationalmannschaftskollegen aus anderen Gegenden Deutschlands boarisch. Das müssen sie aushalten, auch wenn sie manches nicht gleich versteh'n.«. Wenn er in der Welt unterwegs ist, müsse er englisch sprechen, aber auch da höre man ganz klar heraus, wo er herkomme.

Lex beschrieb das Elternhaus des Skispringers als eine Chiemgauer Familie mit langer Tradition. Den 1991 geborenen Markus Eisenbichler bezeichnete Lex als einen »aufgeweckten Buam«, der sich schon frühzeitig für Skifahren, Eishockey und Fußball interessiert habe.

Bei seinem Heimatverein, dem TSV Siegsdorf, hat er sich bereits mit acht Jahren für das Skispringen begeistert und auf den Sprungschanzen in Ruhpolding und Hammer sein Talent und seinen Fleiß bewiesen. An der Christophorusschule in Berchtesgaden wurde seine sportliche Begabung weiter gefördert und 2006, er war jetzt 15 Jahre alt, hatte er seine ersten internationalen Einsätze. Seine steil bergauf gehende Springerkarriere hätte 2012 beinahe ein jähes Ende gefunden, als er bei einem Trainingssprung in Oberstdorf schwer stürzte. Doch aufgeben war für den »Eisei« keine Option.

Dieser hat Wort gehalten und mit dem Gewinn von drei Goldmedaillen bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 2019 in Seefeld seinen bisherigen sportlichen Höhepunkt erreicht. »Obwohl er sprungtechnisch immer weiter abhebt, bleibt er menschlich am Boden«, charakterisierte Gustl Lex den Preisträger. Für Eisenbichler seien Familie, Freunde und die Heimat wichtig.

Er schäme sich nicht, zu zeigen, wo er seine Wurzeln hat. So spreche er bei seinen Interviews »stark boarisch«, was »sprachfremden« Journalisten oftmals suspekt sei. »Markus, du bist authentisch, unverfälscht und glaubwürdig – das macht Dich für uns so sympathisch und zum Aushängeschild unserer bairischen Sprache«, gratulierte Gustl Lex abschließend zum Dialektpreis.

Dazu hatte Eisenbichler auch noch eine Anekdote bereit: »Bairisch ist in der Nationalmannschaft übrigens auch durchs Schafkopfn salonfähig geworden. Bei uns in der A-Mannschaft ist es nämlich Pflicht, dass man Schafkopfn lernt, wenn man dabei sein will.«

Der Preis wurde Markus Eisenbichler anschließend von den Vorsitzenden Heinz Schober und Rudi Mörtl überreicht. Der »Eisei« bedankte sich auf seine Art für die Auszeichnung: »Da Papa wird jetzt mächtig stolz auf mi' sei. Wia i bei meinem ersten Fersehinterview versucht hab, hochdeutsch z'redn, hod er g'sagt, wennst numoi so redst, dann ruck ma zamm.« nh
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